Produktionsplanung in 1C:ERP: der vollständige Einführungsleitfaden
28.05.2025
Immer mehr Unternehmen setzen auf die Produktionsplanung im ERP-System als zentrales Instrument zur Effizienzsteigerung. Das Produktionsmanagement von 1C:ERP bietet einen integrierten Ansatz zur Organisation der Produktionsprozesse und ermöglicht eine durchgängige Steuerung von der strategischen Planung bis zur operativen Kontrolle. Wir betrachten die wichtigsten Aspekte des Systems, die bei der ERP-Einführung zu berücksichtigen sind.
Stammdaten als Grundlage der Planung
Stücklisten: ein detailliertes Produktionsmodell
Zur genauen Beschreibung der Produktstruktur und des Fertigungsprozesses verwendet das Produktionsmanagement von 1C:ERP Stücklisten (BOM), das zentrale Werkzeug zur Modellierung von Produktionsprozessen.
Eine Stückliste umfasst:
Eine vollständige Liste der Produktkomponenten:
Zugekaufte Materialien und Komponenten
Selbst gefertigte Teile und Baugruppen, die ihrerseits jeweils durch eine eigene Stückliste beschrieben werden
Eine detaillierte Beschreibung des Fertigungsprozesses:
Die Abfolge der Werkstattdurchläufe entlang des Arbeitsplans
Normzeiten je Arbeitsart, damit die Leistung der Produktionsmitarbeiter korrekt erfasst wird
Weitere Parameter des Produktionsmanagements:
Erfassung von Nebenprodukten
Gültigkeitsdauer der Stückliste
Losparameter (Mindestlosgröße, optimales Vielfaches der Losgröße)
Beispiel einer Stückliste in 1C:ERP
Einsatz von Stücklisten in der Produktionsplanung:
Erstellung von Produktionsplänen mit unterschiedlichem Detaillierungsgrad
Operative Erfassung und Fertigungssteuerung (Dispatching) von Fertigungslosen für Teile und Baugruppen
Sicherstellung der Materialversorgung der Produktion
Möglichkeiten zur Erstellung von Stücklisten:
Integration mit CAD-/PDM-/PLM-Systemen:
Automatischer Import von Produktstrukturen
Synchronisation von Änderungen an der Konstruktionsdokumentation
Manuelle Erstellung direkt im ERP-System:
Interaktive Erstellung von Stücklisten
Einrichtung der Produktionsparameter
Fertigungsstufen: Detaillierung des Fertigungsprozesses
Das Konzept der Fertigungsstufen in der Produktionsplanung
Zur detaillierten Beschreibung des Fertigungsprozesses enthält jede Stückliste eine Folge von Fertigungsstufen, wobei gilt:
Eine Fertigungsstufe ist ein logisch abgeschlossener Teil des Produktionsprozesses, der innerhalb einer einzelnen Werkstatt oder eines Produktionsbereichs ausgeführt wird. In der Praxis entspricht eine Stufe häufig:
einem Werkstattdurchlauf (Übergabe des Erzeugnisses von einer Werkstatt an die nächste)
einer Bearbeitungsstufe innerhalb einer Werkstatt
einem Prozessschritt
Das System setzt keine starren Grenzen: Der Prozess lässt sich in Fertigungsstufen mit genau dem Detaillierungsgrad gliedern, den das jeweilige Werk benötigt.
Schema der Stufen der Produktionsplanung
Datenstruktur einer Fertigungsstufe
Im Produktionsmanagement von 1C:ERP enthält jede Fertigungsstufe die folgenden Informationen:
Ausführungslogik:
Laufende Nummer und Verknüpfungen zu anderen Fertigungsstufen
Möglichkeit, Fertigungsstufen nacheinander oder parallel auszuführen
Zeitparameter:
Gesamtdauer der Fertigungsstufe
Konfigurierbare Zeitpuffer vor und nach der Fertigungsstufe
Kennzeichen für unterbrechungsfreie Ausführung (die Fertigungsstufe darf nicht unterbrochen werden)
Ressourcen:
Liste der benötigten Arbeitsplätze (Anlagen, Personal, Kapazität)
Normzeit je Ressource
Belegungsvarianten (sequenziell/parallel)
Beispiel für Stücklisteneinstellungen
Fertigungsstufen in der Praxis
Für die Planung:
Mengen- und Terminplanung
Werkstattübergreifende Planung
Planung auf Arbeitsgangebene
Für die operative Erfassung:
Erstellung von Belegen der operativen Erfassung
Erfassung von Beginn und Ende der Fertigungsstufen
Kontrolle der Bewegung von Materialien, Teilen und Baugruppen
Prozesspläne: Fertigung bis ins Detail beschreiben
Das Konzept der Prozesspläne im ERP-System
Ein Prozessplan (technologischer Prozess) ist im Produktionsmanagement von 1C:ERP eine arbeitsgangweise Beschreibung der Arbeiten, die innerhalb einer Fertigungsstufe (eines Werkstattdurchlaufs) ausgeführt werden. Dabei gilt:
Ein Prozessplan ist optional: Fertigungsstufen lassen sich auch ohne Untergliederung in Arbeitsgänge verwenden
Ein Prozessplan kann gezielt für jede Fertigungsstufe erstellt oder aus einer Bibliothek von Standardprozessen übernommen werden
Beispiel für die Einstellung der Produktionsdetaillierung
Aufbau eines Prozessplans
Allgemeine Parameter:
Reihenfolge der Arbeitsgänge
Ausführungsvarianten (sequenziell/parallel)
Zuordnung von Materialien zu bestimmten Arbeitsgängen
Parameter der Arbeitsgänge:
Zeitnormen:
Stückzeit
Rüst- und Abrüstzeit
Benötigte Ressourcen:
Arbeitsplätze
Rüstvarianten der Anlagen
Parameter der Qualitätskontrolle
Art des Arbeitsgangs und spezifische Parameter
Einsatz von Prozessplänen
Planung:
Erstellung von Schichtaufträgen
Arbeitsgangbezogene Planung innerhalb der Werkstatt
Erfassung:
Erfassung abgeschlossener Arbeitsgänge
Überwachung der Produktionskennzahlen
Ein mehrstufiges Produktionsplanungssystem
Schema des mehrstufigen Produktionsplanungssystems in 1C:ERP
1. Strategische Ebene (Unternehmensebene)
Zweck:
Erstellung eines Planungspakets aus Absatz-, Produktions- und Einkaufsplänen
3. Operative Ebene (Planung innerhalb der Werkstatt)
Zweck:
Optimierung des Produktionsplans der Werkstatt
Erstellung von Schichtaufträgen
Überwachung der Ausführung in Echtzeit
Merkmale:
Planungshorizont: bis zu 1 Monat
Detaillierungsgrad: Minuten
Planungseinheit: Arbeitsgang des Prozessplans
Wie die Planungsebenen zusammenhängen
Schema der Verknüpfungen zwischen den Planungsebenen
Von der Strategie zur Taktik:
Produktionspläne der obersten Ebene werden in konkrete Fertigungsaufträge überführt
Langfristige und operative Pläne bleiben konsistent
Von der Taktik zur operativen Steuerung:
Für jeden Auftrag wird eine Struktur von Fertigungsstufen aufgebaut
Für die Ausführung in der Fertigung wird eine Warteschlange von Arbeitsgängen erzeugt
Planungsdaten auf den verschiedenen Ebenen
Schema der Daten für die verschiedenen Planungsebenen im ERP-System
Eingangsdaten:
Unternehmensebene:
Absatzpläne
Stücklisten
Standardzykluszeiten
Werkstattübergreifende Ebene:
Fertigungsaufträge
Abfolgen der Fertigungsstufen
Daten zur Ressourcenverfügbarkeit
Lagerbestände
Ebene innerhalb der Werkstatt:
Plantermine der Fertigungsstufen
Aktuelle Anlagenauslastung
Personalverfügbarkeit
Ergebnisse:
Abgestimmte Produktionspläne
Pläne der Anlagenauslastung
Produktionsaufgaben
Daten für das Bestandsmanagement
Die Einführung eines ERP-Systems mit dem Modul Produktionsmanagement von 1C:ERP bietet einen integrierten Ansatz für die Produktionsplanung. Damit können Sie:
Ein einheitliches digitales Modell der Produktion schaffen
Pläne auf allen Ebenen konsistent halten
Die Genauigkeit von Planung und Erfassung verbessern
Den Ressourceneinsatz optimieren
Produktionszyklen verkürzen
Ein sachgerecht eingerichtetes System für das Produktionsmanagement wird zu einem zentralen Instrument, um die Unternehmensleistung zu steigern, Prozesse transparent zu machen und die Kosten in jeder Fertigungsstufe zu senken.
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